Phishing-Simulationen: Mitarbeiter effektiv für Cyberangriffe sensibilisieren

Phishing ist seit Jahren der Klassiker unter den Online-Attacken und bleibt trotzdem brandgefährlich. Nachrichten, die täuschend echt aussehen, gefälschte Absender oder attraktive Links – der Trickkiste der Angreifer scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. Sicherheitsmechanismen helfen zwar, doch wenn der menschliche Aspekt ins Spiel kommt, reicht ein einziger unachtsamer Klick, um ein Unternehmen in Schwierigkeiten zu bringen. Genau an dieser Stelle setzen Phishing-Tests an. Sie machen aus theoretischem Wissen erlebte Praxis und zeigen, wie sich Mitarbeiter im Ernstfall verhalten sollten.

Kaum ein Angriff ist so einfach und gleichzeitig so wirkungsvoll wie Phishing. Kriminelle setzen nicht auf technisch aufwendige Angriffe, sondern auf menschliche Verhaltensmuster. Sie spielen mit Dringlichkeit, Hierarchie und Neugier, verpackt in Nachrichten, die täuschend echt aussehen. Selbst die beste Sicherheitssoftware kann solche Mails nicht immer zuverlässig abfangen. Dann entscheidet allein die Reaktion des Empfängers. Ein unüberlegter Klick genügt, und der Verlust kann enorm sein.

Der Bericht des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik zur Cybersecurity-Lage in Deutschland von 2024 bestätigt, dass Phishing weiterhin zu den am weitesten verbreiteten Angriffsformen zählt und Organisationen jeder Größe betrifft. (Quelle: https://www.bsi.bund.de/DE/Service-Navi/Publikationen/Lagebericht/lagebericht_node.html).Genau hier zeigen Phishing-Simulationen ihre Stärke. Sie bilden authentische Situationen nach, decken gängige Lücken auf und trainieren Mitarbeiter in einer kontrollierten Umgebung. Aus Theorie wird so praktisches Handeln – und damit ein wichtiger Beitrag zu mehr Cyber-Resilienz.

Warum Simulationen wirksamer sind als trockene Schulungen

Awareness-Trainings, Präsentationen und Online-Trainings haben ihre Berechtigung. Sie erklären Angriffsarten, sensibilisieren für Gefahren und schaffen eine wichtige Grundlage. Doch theoretische Inhalte bleiben Theorie – und die verpufft im hektischen Arbeitsalltag schnell. Sobald eine Mail dringlich formuliert wirkt oder eine Führungskraft imitiert, ist die Hemmschwelle gering. Dann entscheidet nicht das Erlernte, sondern der Impuls.

Phishing-Simulationen setzen genau dort an. Sie positionieren Mails, die wie echte Nachrichten aussehen, in den Posteingang und erzeugen dadurch eine Praxisnähe. Der Unterschied ist deutlich: Während Schulungen Informationen liefern, trainieren Simulationen Verhalten. Handlungen und Rückmeldungen werden sichtbar. Der Lerneffekt ist höher, weil er aus eigenem Handeln entsteht. Hinzu kommt der praktische Vorteil: Kurze Übungen lassen sich leichter in den Arbeitsalltag einbinden als lange Schulungseinheiten und führen langfristig zu einer nachhaltigen Stärkung der Awareness-Kultur.

Angriffstechniken im Detail: So funktioniert Phishing

Phishing gibt es in allen Variationen – von einfach bis hochgradig professionell. Manche Nachrichten sind voll mit Rechtschreibfehlern und daher schnell entlarvt. Andere imitieren täuschend echt die Corporate Identity von Banken, Lieferdiensten oder dem eigenen Unternehmen. Besonders kritisch ist Spear-Phishing, bei dem Attacken individuell auf bestimmte Empfänger ausgerichtet werden. Noch trickreicher ist CEO-Fraud: Kriminelle geben sich als Geschäftsführer aus, arbeiten mit Dringlichkeitsparolen und veranlassen unrechtmäßige Geldtransfers.

Auch bewährte Maschen wie gefälschte Paketbenachrichtigungen, vorgetäuschte Passwortänderungen oder veränderte Zahlungsaufforderungen gehören zum Repertoire der Angreifer. Zunehmend wechseln Angreifer zudem den Kanal: SMS, Messenger-Dienste oder sogar QR-Codes werden als Köder eingesetzt. Entscheidend sind dabei stets die emotionalen Auslöser:

• Interesse,
• Autorität,
• Aussicht auf Gewinn,
• oder Angst.

Gute Trainings greifen diese Muster auf, variieren Schwierigkeitsgrad und Aufmachung und erhöhen die Schwierigkeit sukzessive. So lernen Mitarbeiter, nicht nur einfache Täuschungen zu erkennen, sondern auch subtile Manipulationen in Stresssituationen zu identifizieren.

Lernen messbar machen: KPIs für Awareness

Die bloße Anklickrate auf eine Phishing-Mail ist ein naheliegender, aber oberflächlicher Messwert. Bedeutungsvoller wird es, wenn mehrere Metriken zusammengeführt werden. Besonders wichtig ist die Melderate: Wie viele Beschäftigte erkennen eine auffällige Nachricht und geben sie an die IT-Sicherheit weiter? Sind die Meldekanäle überhaupt allen Teammitgliedern zugänglich? Auch die Zeit bis zur Benachrichtigung ist entscheidend. Denn klar ist: Je schneller ein Vorfall erkannt wird, desto besser lässt sich reagieren.

Darüber hinaus liefert die Wiederholfehlerrate nützliche Erkenntnisse. Wenn einzelne Teilnehmende immer wieder auf ähnliche Köder reagieren, deutet das auf Defizite im Lernprozess hin. Solche Kennzahlen ermöglichen nicht nur eine präzisere Bewertung, sondern zeigen auch Trends im Team: Steigt die Zahl der Meldungen? Werden Antwortzeiten kürzer? Geht die Anklickrate langfristig zurück? Genau darin liegt der eigentliche Nutzen – im Nachweis, dass Sicherheit zur Gewohnheit wird.

Sicherheit trainieren wie Muskeln: Wiederholung zählt

Einmal im Jahr eine Phishing-Nachricht zu versenden, hat wenig Effekt. Sicherheitsbewusstsein ist wie Krafttraining: Nur durch Wiederholung entsteht ein dauerhafter Lerneffekt. Simulationen entfalten ihre volle Wirkung, wenn sie regelmäßig durchgeführt werden. Dabei ist Variation wichtig – gleiche Köder mit gleichem Aufbau stumpfen ab. Wechselnde Absender, wechselnde Betreffzeilen und thematische Abwechslung halten die Wachsamkeit hoch.

Besonders exponierte Abteilungen wie Rechnungswesen oder IT-Administration profitieren von regelmäßigeren Tests, während in anderen Abteilungen eine angemessene Häufigkeit ausreicht. Wichtig ist, das richtige Gleichgewicht zu finden: zu seltene Tests führen zu Nachlässigkeit, zu häufige zu Ermüdung.

Warum positives Lernen mehr bewirkt

Missgriffe sind unausweichlich. Entscheidend ist, was im Anschluss passiert. Wer nach einem Fehlklick sofort ein direktes Kommentar bekommt, versteht schneller, welche Warnsignale ignoriert wurden. Ein gutes System zeigt, anhand der Nachricht, warum sie auffällig war, und gibt konkrete Tipps für die weitere Praxis. Kurze Lerneinheiten – etwa kurze Erklärvideos – genügen aus, um das Bewusstsein nachhaltig zu verankern.

Besonders wichtig ist der Umgangston. Bloßstellung oder Schuldzuweisung sind komplett hemmend! Stattdessen geht es um Hilfe und gemeinsames Lernen. Positive Reaktionen für korrektes Handeln verstärken den Lerneffekt zusätzlich. Auf Gruppenebene helfen neutralisierte Fallbeispiele, Muster sichtbar zu machen und transparent zu besprechen – ohne jemanden bloßzustellen.

Betriebsrat und DSGVO im Blick behalten

Phishing-Tests bewegen sich im Spannungsfeld zwischen IT-Schutz und Privatsphäre. Damit sie rechtlich konform sind, müssen klare Regeln befolgt werden. Die Datenschutz-Grundverordnung verlangt Transparenz, Zweckbindung und Datensparsamkeit. Das heißt: Gespeichert werden darf nur, was für die Sicherheit relevant ist, und Daten dürfen nicht länger gespeichert bleiben, als notwendig.

In der Bundesrepublik gilt zusätzlich das Bundesdatenschutzgesetz mit den Mitbestimmungsrechten des Betriebsrats. Dieser muss frühzeitig eingebunden werden, und Betriebsvereinbarungen sollten genau festlegen, welche Daten erfasst, wie lange sie gespeichert und wer Zugriff darauf hat. Wichtig: Simulationen dürfen nicht verdeckt durchgeführt werden und auf keinen Fall als versteckte Überwachungsmaßnahme dienen.

Und wenn es zum Ernstfall wird, spielt die DSGVO auch in einem anderen Szenario eine Bedeutung: Sollten durch Phishing tatsächlich private Informationen – etwa Kundenbestelllisten oder Zugangsdaten – in unbefugte Hände geraten, ist gemeinsam mit dem Privacy Officer zu bewerten, ob ein meldepflichtiger Sicherheitsvorfall vorliegt. In der Regel müssen solche Vorfälle innerhalb von drei Tagen bei der Datenschutzbehörde gemeldet werden. Auch deshalb gilt: Eine schnelle Benachrichtigung des unbedachten Fehlklicks ist enorm relevant.

Doppelstrategie gegen Phishing: Technik plus Bewusstsein

Technische Schutzmaßnahmen wie Mail-Gateways, Spamfilter oder Protokolle wie Domain-basiertes Message Authentication Reporting and Conformance und Sender Policy Framework blockieren viele Angriffe. Doch kein Mechanismus ist fehlerfrei – gerade die raffiniertesten Mails gelangen oft an den Filtern vorüber. Deshalb bleibt der Mitarbeitende unverzichtbar. Awareness-Trainings ergänzen die Technologie, indem sie den aufmerksamen Umgang für Unregelmäßigkeiten schärfen. So entsteht eine vielstufige Schutzstrategie.

Damit Tests wirksam sind und akzeptiert werden, gilt: Schulung ja, Überwachung nein. Entscheidend sind klare Rahmenbedingungen:

• Verhältnismäßigkeit wahren: Ziel ist Übung, nicht Überwachung.
• Transparenz schaffen: Ergebnisse müssen zur Stärkung der Sicherheit genutzt werden, nicht zur Sanktionierung von Beschäftigten.
• Unzulässige Methoden vermeiden: Kein Aufzeichnen von Screenshots und keine Verwendung persönlicher Informationen als Lockmittel.
• Vertrauen sichern: Nur wer Rahmen respektiert, wahrt die Balance zwischen Schutz, Gesetz und Firmenkultur.

Sicherheitsbewusstsein als gemeinsamer Wert

Richtig angewendet, sind Phishing-Trainings mehr als eine Lernaktivität. Sie formen die Sicherheitskultur eines Betriebs. Entscheidend ist Transparenz: Wenn Ergebnisse offen kommuniziert und Erfolge gewürdigt werden, entsteht ein Klima des Lernens.

Ein Führungsteam, das die Maßnahmen aktiv unterstützt, verstärkt die Effektivität zusätzlich. Über die Zeit hinweg lassen sich klare Trends erkennen: sinkende Klickraten, wachsende Melderaten, verkürzte Reaktionszeiten. Noch bedeutsamer ist jedoch der Veränderungsprozess: Sicherheit wird nicht als Pflicht oder Kontrolle erlebt, sondern als geteilter Grundsatz, den alle im Unternehmen tragen.

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie Phishing-Simulationen in Ihrem Betrieb implementiert werden können, kontaktieren Sie uns – gemeinsam erarbeiten wir ein Trainingskonzept, das zu Ihrem Unternehmen passt.

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